Interessantes Thema.
MM7 halte ich auch für den besten Teil der Reihe; habe 1-5 nicht gespielt und werde es auch nicht tun (grid-based movement, nein danke), und obwohl ich Details an MM8 besser finde, kommt es im großen und Ganzen nicht an MM7 ran.
Kein Unterschied: Spielmechanik ausnutzen funktioniert in allen drei Teilen. Um die Ecke kämpfen, Zauber gegen Fackeln prallen lassen, durch geschlossene Türen oder auf Gegner schlagen, die durch Wände sichtbar sind ... alles möglich. Unsichtbarkeit ist neu, dafür funktioniert der Feuerring nicht mehr durch Wände wie in Teil 6.
Großer Unterschied: Unsichtbarkeit macht "Schleichmissionen" möglich. Ich liebe solche Möglichkeiten. Zudem spart es unglaublich Zeit gegenüber der blindwütigen Metzelei in MM6.
Story:
Konsistenz, weniger Schwachsinn als in MM6 (hinterfragt mal die Motivationen aller Auftraggeber ...), weniger Einfluss durch "die Alten" und Außerirdische aka Kreegans. Politik im Hintergrund statt der alten dummen Heldenstory. Man spielt vor allem anderen für sich selbst.
MM7 lebt von der persönlichen(!) Integration der Spielergruppe in die Spielwelt. Das ist ewas, das allen anderen mir bekannten M&M-Spielen fehlt. Schade, dass es sowas in MM8 nicht wieder gibt. Es muss ja kein Schloss sein.
Sinn und Unsinn:
In MM6 erledigt man sehr stumpfsinnige Ratsmissionen, um sie zu erledigen und Erfahrung zu kassieren, aber nicht, um den Lords / deren Beratern einen Dienst zu erweisen. Sie geben dazu absolut keinen Anlass, den man sich nicht zurechtpfriemeln muss. Dagegen sind die Hauptquests in MM7 deutlich durchdachter.
Welt:
MM7 und 8 haben beide eine lebende Welt (MM7 sogar Jahreszeiten), MM6 ein eher statisches Konstrukt, das (in meinen Augen) um die Spieler herum aufgebaut wirkt. MM6 zu spielen hat etwas vom Lesen der Beschreibung von P&P Rollenspielen aus den 80ern. Es ist absurd, es versucht gar nicht, etwas anderes zu sein. MM7 ist wesentlich subtiler und auch ein klein wenig ernsthafter, nimmt sich aber insgesamt ebensowenig ernst und bleibt dadurch eben M&M.
Die neuen Rassen und Charakterstimmen lassen mehr Individualität und Atmosphäre zu. Das mag nicht jedem wichtig sein; mir schon.
Nicht zu vergessen: Arcomage.
Balancing:
- Mehr spielbare Rassen, darunter Goblins und Liche.
- Besseres, wenn auch kein perfektes Balancing durch die neuen Aufstiegsmissionen und Beschränkungen. Man kann besser entscheiden, wie sehr man auf Magie oder Kampf fokussieren will, ohne vor der Entscheidung Schütze / Paladin oder gleich der ganz magielose Ritter zu stehen.
- Mehr Quests!
- Neue Klassen, neue Möglichkeiten. Keine blödsinnigerweise an Sonnwende und Tagundnachtgleiche festgemachte Aufstiegsmission für Druiden, die eine ganze Charakterklasse effektiv verkrüppelt (allerdings finde ich die Aufstiegsmission zum Kämpen in MM7 langweilig).
Erhöhter Wiederspielwert durch die Entscheidung Licht oder Schatten. Aber es ist auch ein bisschen schade, dass man sich entscheiden muss.
Großes Plus für abwechslungsreichere und kleinere Dungeons in MM7 gegenüber MM6. Keine scheußlichen Riesenhallen wie in Varn, wo die Texturen in weiter Entfernung zu Moirées werden. Die zu großen Dungeons in MM7 kann man an den Händen abzählen. Leider gehört Schloss Harmondy dazu. Die Titanenfestung btw nicht: hier sind die langen Wege allein wegen Unsichtbarkeit oder nicht, sowie aufgrund des Überlebens in Kämpfen nötig.
Die bösen Riesendungeons sind The Pit samt Burg, Celeste samt Burg, Longfangs Höhle in Tatalia (halb so groß reicht), Kanalisation von Erathia (größer als die Stadt), Castle Navan, Harmondy, Tunnel nach Eeofol, Tunnel nach Nighon (letzterer ist eigentlich okay, aber öde gestaltet).
Selbst davon ist keiner auch nur ansatzweise so lästig wie Varn, Burg Alamos oder Burg Darkmoor.
Grafik: Kein Augenkrebs mehr! Gedeckte Farben! Ein vorhandenes Farbschema! Absolute Grundlagen, die in MM6 selbst angesichts des Erscheinungsdatums kaum verzeihlich sind, weil sie aus anderen Medien und Kunst im Allgemeinen seit Jahrzehnten bis Jahrtausenden bekannt sind. Mag sein, dass jemand in MM6 absichtlich eine Groteske präsentieren wollte ... nun gut, grotesk
ist die Grafik.
Sound: Ich liebe Cembalomusik und höre den Soundtrack nach wie vor oft beim Arbeiten.
