[Nachdenkliches] Zeichen der Zeit...
Verfasst: Sa 10.01.2004 - 14:30
Dunkler Tag. Viel zu dunkel für diese Jahreszeit, wobei die Frage gestellt sei, was in dieser Einöde noch eine Jahreszeit ist. Tiefster Winter oder doch nur Herbst, das vermag nichts und niemand herauszufinden, denn seit langem ist hier schon kein Leben mehr gewesen - zumindest gibt es weiter unten, im Tal, überall Zeugnisse davon, das einst welches herrschte: Hier und dort liegen zerbrochene Krüge und Teller, alte Ruinen kleinerer Hütten, Fetzen alter Bücher, zerstörte Tische und andere Zeugen einer einstigen Kultur. Wenigstens die Wiesen blühen und die Natur scheint, was immer einst hier geschah, wenigstens das Schlimmste langsam wieder zu regenerieren.
Hier auf den Bergen, kahler Fels und stetig kalter Wind, ist nur selten ein Häufchen grünes Leben zu finden, der letzte Grashalm ist schon lange hinabgefallen und ein Tal gibt es schon lange nicht mehr, seitdem der Vulkan die letzten Verzierungen vorgenommen und der Wind die letzten Schliffe gegeben hat. Hier und dort findet man merkwürdig viel Staub und Sand, der durch einzelne, stärkere Winde aufgenommen, getragen und verstreut wird, gleich so als gäbe es ihn nur für wenige Augenblicke und zerfällt wie die Zeit es schon von jeher vormacht. Der Himmel selbst leuchtet tiefrot, während einzelne grau-schwarze Wolken dahinziehen und das Land mit Dunkelheit beschenken, mehr noch als es ohnehin schon der Fall ist: Die Sonne selbst ist ein orangener, untergehener Ball am Horizont.
Auf einen dieser Hügel innerhalb der bergigen, trostlosen Landschaft, steht eine vermummte Gestalt. Seine Augen scheinen durch das schwarze Leder, das sein Gesicht ziert und die Zeichen der Zeit bereits trägt. Zwischen den feinen, schwarzen, ledernen Falten finden sich einige Sandkörner, die Linien bilden, als wären sie Narben der Zeit. Das Band verschwindet an seinen Wangen am Hinterkopf vorbei zu einer Lederkapuze die den Kopf bedeckt und zum schwarzen Umhang gehört, der lange hinabgleitet und fast den Boden berührt, seine große Gestalt unterstreichend und im Winde flatternd. Seine gleichfarbenen Stiefel weisen tiefe Kratzer auf, sowie die typischen Verfärbungen einer langen Wanderung. Die dunkle Hose greift bis hoch und verschwindet unter einem langen, schwarzen Kettenhemd, welches dennoch die hellen Blitze reflektierend, die weit am Horizont den herannahenden Sturm ankündigten - während die Vorboten, jene Winde die über nackten Stein peitschen, pfeifen und gar ferne Schreie an das Ohr eines jeden Wanderers tragen. So wie an jene dieses einen dunklen Menschen.
Er steht. Steht dort und sagt nichts. Der Blick seiner dunkelblauen Augen zeigt gen Norden, wohin er schon seit langem möchte. Sein ganzes Leben erscheint ihm bisher ein einziger Traum und wie lange er schon wandert, das weiß er nicht, fühlt es nicht. Seine ganze Kleidung zeugt von jahrelanger Wanderung, seine Haut von vielen Kämpfen und Rissen. Nun steht er da, einsam in Wind, getragen höchstens durch den Wunsch, weiter zu ziehen, wohin auch immer.
Rechts und links peitschen die Winde, die Blitze nähern sich. Auf dem Plateau eines der höchsten Berge steht er unberirrt und denkt an das was war, denn es will sich ihm nicht entschlüsseln: Woher kommt er nur? Wohin geht er? Wieso fehlt ihm jegliche Erinnerung, wieso schenkt ihm sein eigener Geist ein mystisches Etwas, ein Enigma, das sich ihm nur schemenhaft hinter schattenhaften Tüchern zeigt. Ein dumpfer Schrei in der Ferne folgt, den Blick lockend, den Kopf drehend. Er sieht sich um. Nichts.
Als er den Kopf zurückdreht, müsste er erschrecken. Vor ihm steht ein Mann, etwa gleich groß. Seine dunkelblauen Augen spiegeln das Antlitz des Beobachters wider, der lange Mantel schwebt entgegen des Windes zur anderen Seite. Die langen dunklen Haare, die an der Kapuze und dem gleichen, ledernen Tuch heraushängen, schweben ebenfalls gegen den Wind. Dies hätte ihn beunruhigen dürfen. Vielleicht auch die Tatsache, dass jenes Wesen die gleiche Kleidung trägt, oder ebenfalls reglos, keine fünf Schritte vor ihm steht. Doch erstes, kaltes Blut fließt durch seine Adern, als das Herz schneller schlägt, er die Augen des Mannes vor ihm genau betrachtet: Sie blinzeln nicht. Keine Regung, kein Abweichen. Immer starr der Blick. Was will er?
Der Wanderer, noch in ruhiger Angst gefasst, hebt die rechte Hand, wenigstens um zu zeigen, dass er hier oben, inmitten kalter Zeiten kein Blut vergeuden will. Das Wesen vor ihm macht jedoch keine Anstalten, sich zu bewegen. Vielmehr noch, Stille ist es, die seine Konturen schnürt und bindet, als wäre sein Gegenüber hineingeschnitten, nicht Bestandteil des Sandes, welcher durch ihn hindurch zu fallen scheint. Was geht hier vor?
Langsam zieht er seine Hand wieder zurück und beschließt, wenigstens ein paar Schritte zurückzugehen, um Abstand zu gewinnen, körperlich als auch seelisch, sollte es wirklich zum Kampf kommen. Langsam bewegt er sich nach hinten, sieht dabei nach hinten, als er fast über einen Hast gestolpert ist. Knirschend einzelne Steinchen unter seinen Stiefeln, fast schon irreal scharfe Töne schenkend. Er verfällt in Gedanken: Woher kommt er, wohin geht er... Wieso stellen sich ihm immer die gleichen, unbeantworteten Fragen...
Einige Schritte später hebt er seinen Kopf und bemerkt, dass sein Gegenüber ebenfalls Abstand genommen hat. Ist dies ein deutliches Zeichen dafür, was die Absichten des anderen anbelangt? Ein Griff der Hand zum Gürtel offenbart einen Schreck: Ein Schwert, das er gar nicht kennt, zeichnet seine Konturen unter dem Mantel und scheint merkwürdig zu funkeln. Überdies scheint dies das andere Wesen gleiches bemerkt zu haben, denn auch sein Gesicht zeugte gerade von Überraschung, obgleich er dabei tief in die Augen seines Gegenübers sah.
Ohne darüber nachzudenken und mehr in Angst, geht er ein weitere Schritte zurück, den anderen nicht aus den Augen lassend, der ihm gleich handelt.
Er greift wieder zum Schwert und behält die Hand an jener Stelle.Der andere folgt seinen Bewegungen.
Er denkt nach, sieht erschrocken hoch. Der Blick wird erwidert.
Langsam ziehen die Hände das Schwert, mit beiden Händen festhaltend, als ob er schon viele Erfahrungen damit hat. Wieder etwas, was er nicht versteht, aber in ihm arbeitet, weitere Gedanken spinnt: Woher weiß er um die Erfahrung, ein Schwert zu führen? Seine Angst scheint grenzenlos, sein Mut aber ungebrochen und der Wille, dem anderen Stärke zu zeigen, ist unabdingbar, seitdem er zur Klinge griff. Er sieht nach oben und versucht, diese Kraft über seinen Blick zum Ausdruck zu bringen.
Der andere schaut grimmig und wütend drein, selbst das Schwert haltend, bereit für den Angriff. Einzelne Winde fegen dahin und wehen das lange schwarze Haar nun an seine Augen vorbei. Der Schwarze Wanderer selbst bekommt es mit der Angst zu tun.
Er erkennt die Situation als er zurückblickt: Jenes Wesen vor ihm wiederholt jegliche Bewegung, jeglichen Schritt. Wieso denn nur und mit welcher Präzision ist seine Beobachtungsgabe gesegnet, wenn es seine Bewegungen so früh erahnt? Aber wenn dem so ist, so müsste er auch seinen Blick standhalten, die gleichen Züge behalten, das spürt er. Doch das merkwürdige Wesen vor ihm sieht mehr ängstlich drein, als wäre es nicht sein Kampf, nicht überzeugt von dem, was er sich erwünscht.
Mutig geht der schwarze Wanderer ein paar Schritte vor, bereit zum Angriff. Nicht um zu töten, aber um zumindest zu vertreiben. Oder vielleicht doch mehr? Manchmal, so denkt er, muss man Opfer bringen, wenn es um die Durchsetzung eines Gedankens geht. Zwar wundert er sich über derlei Gedanken, doch erscheint er ihm merkwürdig vertraut. Als wäre er schon Jahre zuvor mit diesem Wissen gesegnet worden, fast schon verflucht, es immer wieder durchzusetzen. Obgleich... "verflucht"? Das dürfte das falsche Wort sein, denn schlussendlich zählt das Opfer, die Durchsetzung und dafür ist das Mittel der Klinge legitim.
Zeitgleich beginnt er seine Schritte und steht nun vor ihm. Die letzten Worte und Gedanken im Kopf und der festen Überzeugung beschenk, er müsse jetzt das Glück bringen, setzt er zum Hieb an.
Ein starker Schlag, ein schwaches Leuchten.
Beide werden zurückgeworfen. Ein Blitzen folgt noch, dann ein Schnitt, als würde jemand ein Tuch zerreißen, während der Wind urplötzlich an Intensität gewinnt. Mit letzter Kraft und den Ernst der Lage begreifend, steht er auf. Der Wind pfeift, von Ruhe keine Spur, allenfalls jedoch vom Sand, der nun deutlich intensiver, dichter wirkt. Beide gehen aufeinander zu, die Schwerter vor ihnen, rechtwinklig am Boden liegend. Lange Zeit starren sich beide Wesen an, während um sie herum ein starker Wind den Sand ferner Länder trägt. Von Ruhe kann man schon lange nicht mehr sprechen. Allenfalls von einem starken Sturm.
Der Wanderer möchte hinab, nach dem Schwert greifen, da dreht sich der andere um. Er geht langsam fort und scheint das Plateau zu verlassen. Lange Zeit folgt Ruhe und der ungläubige Blick ruht noch auf jener Stelle, an der vorher noch das Wesen stand. Der Sand fällt, der Wind tobt stärker und als dichte Wände purer Körner die Sicht erschweren, entschließt sich der schwarze Wanderer wenigstens sein Schwert zu erheben und weiter zu gehen. Es wird Zeit, nach Hause zu gehen. Wo immer das sein mag. Doch fühlt er keine Herkunft, allenfalls Leere, die er schon die ganze Zeit über ahnte.
Nach einem ewig langen Hinabgleiten folgt ein Griff zum Schwert. Doch wo einst eine Klinge lag, ist nun nichts. Verärgert steht er auf: Wie hat er das gemacht? Er hat sich nicht gebeugt, hat sich nicht nach unten bewegt und besitzt nun beide Klingen? Was sollte das?
Ärgerlich beschließt er, dem geheimnisvollen Fremden zu folgen und will zum ersten Schritt ansetzen...
... doch kommt er nicht weiter.
Er kommt nicht an jene Schwelle vorbei, wo vorhin noch beide Schwerter schlagen. Gleich einer unsichtbaren Glaswand scheint etwas seine Bewegungen nicht zuzulassen. Je stärker er sich dagegenstemmt, desto stärker scheint der Gegendruck. Nach einigen Schritten Anlauf probiert er, wenigstens hindurchspringen zu können. Was immer es ist, was ihn aufhält. Doch er wird zurückgeworfen und findet letztendlich fast nur die Bewusstlosigkeit.
Als er wieder aufsteht, möchte er ein paar Schritte gehen, möchte wenigstens zurück. Er hat die Glaswand vergessen, die ihn aufhält. Er hat auch die Schwerter vergessen, den geheimnisvollen Fremden. Der Sandsturm ist nun sein einziges Problem, denn die Dichte nimmt weiter zu. Die Augen schützend geht er ein paar Schritte zurück. Doch etwas hält ihn wieder etwas auf. Seine Augen tränen, findet keine Ruhe. Seine Füße sind nun fast komplett im Sand und durch die zurückprallenden Staubkörner kann er entdecken, wo sich überall seine unsichtbaren Grenzen erstrecken. Er bekommt Angst: Er kann gerade noch seine Arme spannen um festzustellen, dass er ganz eingesperrt ist. Mit Panik in den Augen möchte er seine Füße hochziehen, um wenigstens nach oben hin einen Ausweg zu finden. Doch mittlerweile steckt er bis zu den Oberschenkeln fest und kann sich kaum bewegen. Angst steigt weiter auf und möchte weiterhin ausbrechen, doch findet sie keine Möglichkeit und jegliche Träne wird vom Sand getrocknet. Die Augen kann der Wanderer gerade noch öffnen. Doch zeigen sie am Ende keine Furcht... vielmehr Erkenntnis. In seiner letzten Stunde, als sein Herz den letzten Schlag vollführt, wird ihm die Antwort auf all seine Fragen deutlich. Und im Zuge des aufsteigenden Nebels um seine Seele, welcher ihn langsam zurück zur Ewigkeit trägt, hallen jene Worte im Geiste wider...
Die Zeiten des Kampfes sind vorbei und wenn das letzte Körnchen Sand hinabgefallen ist, wird auch die letzte Einöde vom Schwerte befreit sein...
... bis irgendwer irgendwann kommt und das dünne Glas des Friedens wieder zerstört und erneut freisetzt, was einst verschlossen. Bis zur Erkenntnis um diesen Kreis ist eine jede Seele verflucht, den Weg weiter zu gehen, bis sie einst die Antworten erlangt, die sie sucht, bevor der Körper erneut stirbt und das Wissen um diese Erkenntnis weiterleitet, auf dass alles endlich seine Ruhe findet und das Land nicht mehr unter dem Fluch leidet, den einst ein mächtiges Wesen ausgesprochen hat...
Weit, weit entfernt auf einem einsamen Plateau steht ein Wanderer, wandert aber seit Tagen. Es ist ein dunkler Tag. Viel zu dunkel für diese Jahreszeit, wobei die Frage gestellt sei, was in dieser Einöde noch eine Jahreszeit ist....
Hier auf den Bergen, kahler Fels und stetig kalter Wind, ist nur selten ein Häufchen grünes Leben zu finden, der letzte Grashalm ist schon lange hinabgefallen und ein Tal gibt es schon lange nicht mehr, seitdem der Vulkan die letzten Verzierungen vorgenommen und der Wind die letzten Schliffe gegeben hat. Hier und dort findet man merkwürdig viel Staub und Sand, der durch einzelne, stärkere Winde aufgenommen, getragen und verstreut wird, gleich so als gäbe es ihn nur für wenige Augenblicke und zerfällt wie die Zeit es schon von jeher vormacht. Der Himmel selbst leuchtet tiefrot, während einzelne grau-schwarze Wolken dahinziehen und das Land mit Dunkelheit beschenken, mehr noch als es ohnehin schon der Fall ist: Die Sonne selbst ist ein orangener, untergehener Ball am Horizont.
Auf einen dieser Hügel innerhalb der bergigen, trostlosen Landschaft, steht eine vermummte Gestalt. Seine Augen scheinen durch das schwarze Leder, das sein Gesicht ziert und die Zeichen der Zeit bereits trägt. Zwischen den feinen, schwarzen, ledernen Falten finden sich einige Sandkörner, die Linien bilden, als wären sie Narben der Zeit. Das Band verschwindet an seinen Wangen am Hinterkopf vorbei zu einer Lederkapuze die den Kopf bedeckt und zum schwarzen Umhang gehört, der lange hinabgleitet und fast den Boden berührt, seine große Gestalt unterstreichend und im Winde flatternd. Seine gleichfarbenen Stiefel weisen tiefe Kratzer auf, sowie die typischen Verfärbungen einer langen Wanderung. Die dunkle Hose greift bis hoch und verschwindet unter einem langen, schwarzen Kettenhemd, welches dennoch die hellen Blitze reflektierend, die weit am Horizont den herannahenden Sturm ankündigten - während die Vorboten, jene Winde die über nackten Stein peitschen, pfeifen und gar ferne Schreie an das Ohr eines jeden Wanderers tragen. So wie an jene dieses einen dunklen Menschen.
Er steht. Steht dort und sagt nichts. Der Blick seiner dunkelblauen Augen zeigt gen Norden, wohin er schon seit langem möchte. Sein ganzes Leben erscheint ihm bisher ein einziger Traum und wie lange er schon wandert, das weiß er nicht, fühlt es nicht. Seine ganze Kleidung zeugt von jahrelanger Wanderung, seine Haut von vielen Kämpfen und Rissen. Nun steht er da, einsam in Wind, getragen höchstens durch den Wunsch, weiter zu ziehen, wohin auch immer.
Rechts und links peitschen die Winde, die Blitze nähern sich. Auf dem Plateau eines der höchsten Berge steht er unberirrt und denkt an das was war, denn es will sich ihm nicht entschlüsseln: Woher kommt er nur? Wohin geht er? Wieso fehlt ihm jegliche Erinnerung, wieso schenkt ihm sein eigener Geist ein mystisches Etwas, ein Enigma, das sich ihm nur schemenhaft hinter schattenhaften Tüchern zeigt. Ein dumpfer Schrei in der Ferne folgt, den Blick lockend, den Kopf drehend. Er sieht sich um. Nichts.
Als er den Kopf zurückdreht, müsste er erschrecken. Vor ihm steht ein Mann, etwa gleich groß. Seine dunkelblauen Augen spiegeln das Antlitz des Beobachters wider, der lange Mantel schwebt entgegen des Windes zur anderen Seite. Die langen dunklen Haare, die an der Kapuze und dem gleichen, ledernen Tuch heraushängen, schweben ebenfalls gegen den Wind. Dies hätte ihn beunruhigen dürfen. Vielleicht auch die Tatsache, dass jenes Wesen die gleiche Kleidung trägt, oder ebenfalls reglos, keine fünf Schritte vor ihm steht. Doch erstes, kaltes Blut fließt durch seine Adern, als das Herz schneller schlägt, er die Augen des Mannes vor ihm genau betrachtet: Sie blinzeln nicht. Keine Regung, kein Abweichen. Immer starr der Blick. Was will er?
Der Wanderer, noch in ruhiger Angst gefasst, hebt die rechte Hand, wenigstens um zu zeigen, dass er hier oben, inmitten kalter Zeiten kein Blut vergeuden will. Das Wesen vor ihm macht jedoch keine Anstalten, sich zu bewegen. Vielmehr noch, Stille ist es, die seine Konturen schnürt und bindet, als wäre sein Gegenüber hineingeschnitten, nicht Bestandteil des Sandes, welcher durch ihn hindurch zu fallen scheint. Was geht hier vor?
Langsam zieht er seine Hand wieder zurück und beschließt, wenigstens ein paar Schritte zurückzugehen, um Abstand zu gewinnen, körperlich als auch seelisch, sollte es wirklich zum Kampf kommen. Langsam bewegt er sich nach hinten, sieht dabei nach hinten, als er fast über einen Hast gestolpert ist. Knirschend einzelne Steinchen unter seinen Stiefeln, fast schon irreal scharfe Töne schenkend. Er verfällt in Gedanken: Woher kommt er, wohin geht er... Wieso stellen sich ihm immer die gleichen, unbeantworteten Fragen...
Einige Schritte später hebt er seinen Kopf und bemerkt, dass sein Gegenüber ebenfalls Abstand genommen hat. Ist dies ein deutliches Zeichen dafür, was die Absichten des anderen anbelangt? Ein Griff der Hand zum Gürtel offenbart einen Schreck: Ein Schwert, das er gar nicht kennt, zeichnet seine Konturen unter dem Mantel und scheint merkwürdig zu funkeln. Überdies scheint dies das andere Wesen gleiches bemerkt zu haben, denn auch sein Gesicht zeugte gerade von Überraschung, obgleich er dabei tief in die Augen seines Gegenübers sah.
Ohne darüber nachzudenken und mehr in Angst, geht er ein weitere Schritte zurück, den anderen nicht aus den Augen lassend, der ihm gleich handelt.
Er greift wieder zum Schwert und behält die Hand an jener Stelle.Der andere folgt seinen Bewegungen.
Er denkt nach, sieht erschrocken hoch. Der Blick wird erwidert.
Langsam ziehen die Hände das Schwert, mit beiden Händen festhaltend, als ob er schon viele Erfahrungen damit hat. Wieder etwas, was er nicht versteht, aber in ihm arbeitet, weitere Gedanken spinnt: Woher weiß er um die Erfahrung, ein Schwert zu führen? Seine Angst scheint grenzenlos, sein Mut aber ungebrochen und der Wille, dem anderen Stärke zu zeigen, ist unabdingbar, seitdem er zur Klinge griff. Er sieht nach oben und versucht, diese Kraft über seinen Blick zum Ausdruck zu bringen.
Der andere schaut grimmig und wütend drein, selbst das Schwert haltend, bereit für den Angriff. Einzelne Winde fegen dahin und wehen das lange schwarze Haar nun an seine Augen vorbei. Der Schwarze Wanderer selbst bekommt es mit der Angst zu tun.
Er erkennt die Situation als er zurückblickt: Jenes Wesen vor ihm wiederholt jegliche Bewegung, jeglichen Schritt. Wieso denn nur und mit welcher Präzision ist seine Beobachtungsgabe gesegnet, wenn es seine Bewegungen so früh erahnt? Aber wenn dem so ist, so müsste er auch seinen Blick standhalten, die gleichen Züge behalten, das spürt er. Doch das merkwürdige Wesen vor ihm sieht mehr ängstlich drein, als wäre es nicht sein Kampf, nicht überzeugt von dem, was er sich erwünscht.
Mutig geht der schwarze Wanderer ein paar Schritte vor, bereit zum Angriff. Nicht um zu töten, aber um zumindest zu vertreiben. Oder vielleicht doch mehr? Manchmal, so denkt er, muss man Opfer bringen, wenn es um die Durchsetzung eines Gedankens geht. Zwar wundert er sich über derlei Gedanken, doch erscheint er ihm merkwürdig vertraut. Als wäre er schon Jahre zuvor mit diesem Wissen gesegnet worden, fast schon verflucht, es immer wieder durchzusetzen. Obgleich... "verflucht"? Das dürfte das falsche Wort sein, denn schlussendlich zählt das Opfer, die Durchsetzung und dafür ist das Mittel der Klinge legitim.
Zeitgleich beginnt er seine Schritte und steht nun vor ihm. Die letzten Worte und Gedanken im Kopf und der festen Überzeugung beschenk, er müsse jetzt das Glück bringen, setzt er zum Hieb an.
Ein starker Schlag, ein schwaches Leuchten.
Beide werden zurückgeworfen. Ein Blitzen folgt noch, dann ein Schnitt, als würde jemand ein Tuch zerreißen, während der Wind urplötzlich an Intensität gewinnt. Mit letzter Kraft und den Ernst der Lage begreifend, steht er auf. Der Wind pfeift, von Ruhe keine Spur, allenfalls jedoch vom Sand, der nun deutlich intensiver, dichter wirkt. Beide gehen aufeinander zu, die Schwerter vor ihnen, rechtwinklig am Boden liegend. Lange Zeit starren sich beide Wesen an, während um sie herum ein starker Wind den Sand ferner Länder trägt. Von Ruhe kann man schon lange nicht mehr sprechen. Allenfalls von einem starken Sturm.
Der Wanderer möchte hinab, nach dem Schwert greifen, da dreht sich der andere um. Er geht langsam fort und scheint das Plateau zu verlassen. Lange Zeit folgt Ruhe und der ungläubige Blick ruht noch auf jener Stelle, an der vorher noch das Wesen stand. Der Sand fällt, der Wind tobt stärker und als dichte Wände purer Körner die Sicht erschweren, entschließt sich der schwarze Wanderer wenigstens sein Schwert zu erheben und weiter zu gehen. Es wird Zeit, nach Hause zu gehen. Wo immer das sein mag. Doch fühlt er keine Herkunft, allenfalls Leere, die er schon die ganze Zeit über ahnte.
Nach einem ewig langen Hinabgleiten folgt ein Griff zum Schwert. Doch wo einst eine Klinge lag, ist nun nichts. Verärgert steht er auf: Wie hat er das gemacht? Er hat sich nicht gebeugt, hat sich nicht nach unten bewegt und besitzt nun beide Klingen? Was sollte das?
Ärgerlich beschließt er, dem geheimnisvollen Fremden zu folgen und will zum ersten Schritt ansetzen...
... doch kommt er nicht weiter.
Er kommt nicht an jene Schwelle vorbei, wo vorhin noch beide Schwerter schlagen. Gleich einer unsichtbaren Glaswand scheint etwas seine Bewegungen nicht zuzulassen. Je stärker er sich dagegenstemmt, desto stärker scheint der Gegendruck. Nach einigen Schritten Anlauf probiert er, wenigstens hindurchspringen zu können. Was immer es ist, was ihn aufhält. Doch er wird zurückgeworfen und findet letztendlich fast nur die Bewusstlosigkeit.
Als er wieder aufsteht, möchte er ein paar Schritte gehen, möchte wenigstens zurück. Er hat die Glaswand vergessen, die ihn aufhält. Er hat auch die Schwerter vergessen, den geheimnisvollen Fremden. Der Sandsturm ist nun sein einziges Problem, denn die Dichte nimmt weiter zu. Die Augen schützend geht er ein paar Schritte zurück. Doch etwas hält ihn wieder etwas auf. Seine Augen tränen, findet keine Ruhe. Seine Füße sind nun fast komplett im Sand und durch die zurückprallenden Staubkörner kann er entdecken, wo sich überall seine unsichtbaren Grenzen erstrecken. Er bekommt Angst: Er kann gerade noch seine Arme spannen um festzustellen, dass er ganz eingesperrt ist. Mit Panik in den Augen möchte er seine Füße hochziehen, um wenigstens nach oben hin einen Ausweg zu finden. Doch mittlerweile steckt er bis zu den Oberschenkeln fest und kann sich kaum bewegen. Angst steigt weiter auf und möchte weiterhin ausbrechen, doch findet sie keine Möglichkeit und jegliche Träne wird vom Sand getrocknet. Die Augen kann der Wanderer gerade noch öffnen. Doch zeigen sie am Ende keine Furcht... vielmehr Erkenntnis. In seiner letzten Stunde, als sein Herz den letzten Schlag vollführt, wird ihm die Antwort auf all seine Fragen deutlich. Und im Zuge des aufsteigenden Nebels um seine Seele, welcher ihn langsam zurück zur Ewigkeit trägt, hallen jene Worte im Geiste wider...
Die Zeiten des Kampfes sind vorbei und wenn das letzte Körnchen Sand hinabgefallen ist, wird auch die letzte Einöde vom Schwerte befreit sein...
... bis irgendwer irgendwann kommt und das dünne Glas des Friedens wieder zerstört und erneut freisetzt, was einst verschlossen. Bis zur Erkenntnis um diesen Kreis ist eine jede Seele verflucht, den Weg weiter zu gehen, bis sie einst die Antworten erlangt, die sie sucht, bevor der Körper erneut stirbt und das Wissen um diese Erkenntnis weiterleitet, auf dass alles endlich seine Ruhe findet und das Land nicht mehr unter dem Fluch leidet, den einst ein mächtiges Wesen ausgesprochen hat...
Weit, weit entfernt auf einem einsamen Plateau steht ein Wanderer, wandert aber seit Tagen. Es ist ein dunkler Tag. Viel zu dunkel für diese Jahreszeit, wobei die Frage gestellt sei, was in dieser Einöde noch eine Jahreszeit ist....